Trauer nach Suizid -                                             eine besondere Belastung

Suizidtrauer ist eine besondere Form der Trauer, da Suizid ein besonderer Todesumstand ist.
Die Situation nach einem Suizid stellt für Angehörige eine enorme Belastung dar, oft sind sie traumatisiert. Da es sich um keinen gewöhnlichen Todesfall handelt, muss die Polizei ermitteln, um die Möglichkeit der Gewalteinwirkung durch Dritte auszuschließen. Als Familienmitglied wird man befragt, ein Abschiedsbrief wird gesucht, Gegenstände werden beschlagnahmt, der Tatort wird abgeriegelt. 

Selbst als nächster Angehöriger fühlt man sich unter Tatverdacht. In den Tagen und Wochen danach steht man unter Schock und erlebt diese Zeit oft wie in Trance. Man befindet sich im Funktionsmodus und versucht einfach zu überleben. Man hangelt sich von einem Tag zum nächsten: Wie bewältige ich den folgenden Tag, die kommende Woche? Was muss alles an administrativen und organisatorischen Tätigkeiten erledigt werden? Diese Fragen lassen in den ersten Wochen nach dem Suizid oft gar keine richtige Trauer zu.

Auch die Gefühlswelt sieht nach einem Suizid häufig anders aus als bei anderen Todesformen. Meist brechen diese Gefühle dann nach dem anfänglichen Schock über die Hinterbliebenen herein. Wenn jemand aufgrund von Unfall, Krankheit oder Alter verstirbt, überwiegen Gefühle von Trauer und vom Vermissen der verstorbenen Person. Bei einem Suizid spielen aber oft auch Gefühle wie Wut, Schuld, Scham, Fassungslosigkeit oder der Gedanke des „Verlassenwordenseins“ eine große Rolle.

Scham, Schuldgefühle und Selbstzweifel sind nur drei Aspekte der Trauer nach einem Suizid.
Es sind viele innere und äußere Faktoren, nicht zuletzt auch gesellschaftliche Zuschreibungen, die in der Zeit nach einem Suizid die Trauer bestimmen und beeinflussen. Suizidhinterbliebene erfahren bei aller Empathie ihres sozialen Umfelds oft eine Kluft zwischen Mitleid und Begreifen. Sie fühlen sich oft allein mit diesem schweren Schicksal und der Trauer. 

In dieser schweren Situation können Gespräche mit anderen Suizidhinterbliebenen Halt, Orientierung und das Gefühl des „Verstandenwerdens“ geben. Gleich oder ähnlich Betroffenen müssen die Situation und die Gefühle nicht erklärt werden. Auch ohne viele Worte können sie Trost, Verständnis und Mitgefühl - statt nur Mitleid - entgegenbringen.